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Münchner Stadtmuseum erhält Sammlung von Wolfgang Begatik geschenkt

Großzügige Schenkung des Sammlers Wolfgang Begatik an das Münchner Stadtmuseum

Ende des Jahres 2013 konnte sich das Münchner Stadtmuseum erneut über eine außergewöhnliche Erweiterung seiner Bestände freuen.
Der leider inzwischen verstorbene Münchner Sammler Wolfgang Begatik hatte sich entschlossen seine wertvolle Sammlung zeitgenössischer Fotoarbeiten der Sammlung Fotografie des Münchner Stadtmuseums zu überlassen. Dank dieser großzügigen Schenkung erhielt das Münchner Stadtmuseum einen Zuwachs von insgesamt 135 großformatigen, teils gerahmten Arbeiten zeitgenössischer Fotografen. Größtenteils waren diese international anerkannten Fotografen bislang noch nicht in der Sammlung Fotografie vertreten. Darüber hinaus kamen im Rahmen der Schenkung auch einige Vintageprints von Stefan Moses ins Museum, dessen Archiv sich bereits in der Sammlung befindet und wissenschaftlich aufgearbeitet wird. Arbeiten von Seiichi Furuya, Jock Sturges, Julia Kissina und Olaf Martens sind unter den Neuzugängen, um nur vier der Künstler hier stellvertretend näher zu beleuchten.

Nun im Besitze des Münchner Stadtmuseum, Seiichi Furuya, Christine Furuya-Gössler, 1980 © Seiichi Furuya
Seiichi Furuya, Christine Furuya-Gössler,
1980
© Seiichi Furuya
Pressemitteilung

Mit 26 Aufnahmen verfügt die Sammlung Fotografie nun über ein repräsentatives Konvolut an Aufnahmen des 1950 in Izu geborenen japanischen Fotografen Seiichi Furuya. 1978 hatte Furuya seine Ehefrau Christine Gössler erstmals fotografiert und sie bis zu ihrem Freitod im Jahr 1985 mit der Kamera begleitet. Die in der Sammlung Fotografie befindlichen Abzüge erstrecken sich über die gesamte Zeitspanne und zeigen einerseits die krankheitsbedingten Veränderungen, die Christine durchlebte, andererseits sind es Zeugnisse der gemeinsam verbrachten Zeit. Auch der Amerikaner Jock Sturges (*1947 New York) beschäftigt sich fotografisch mit der Veränderung des Menschenbildes. Im Fokus seiner Arbeit stehen Bildnisse und Aktaufnahmen von befreundeten Familien und vorwiegend jugendlichen Einzelpersonen – „Naturisten, ohne jedes Gefühl der Scham und ohne Befangenheit“, wie er selbst in einem Interview mitteilte, die er über Jahre hinweg vorwiegend in Montavilet (Frankreich) und an den Stränden Nord-Kaliforniens fotografierte.


Sturges beabsichtigt sowohl die zwischenmenschlichen Beziehungen der dargestellten Personen, als auch deren individuellen Reifeprozess in seinen Aufnahmen wiederzugeben. Die Natürlichkeit, mit der Sturges die Jugendlichen ablichtete, wurde insbesondere in den 90er Jahren kontrovers diskutiert, doch versteht der Fotograf seine Aufnahmen als nicht pornografisch sondern als authentisches Menschenbildnis. Thematisch gänzlich anders ausgerichtet sind die Arbeiten von Julia Kissina (*1966 Kiew). Die mittlerweile in Berlin lebende Fotografin und Schriftstellerin hatte sich international unter anderem auch durch öffentlich stattfindende Séancen mit berühmten Künstlern des 19. und 20. Jahrhunderts einen Namen gemacht hat (Dead Artists Society). Die der Sammlung Fotografie gestifteten Aufnahmen stammen gänzlich aus Kissinas Serie „Fairy Tale“: Großformatige Farbaufnahmen von jungen Frauen, gehüllt in farbenprächtige, historisch anmutende Gewänder. Auffällig sind vor allemdie mit rohem Fleisch bekrönten Köpfe der jungen Frauen. Die Kunsthistorikerin Patricia Drück erkennt in den Gesten und Darstellungsmodi der jungen Frauen Verweise auf weibliche Verhaltensformen unserer Gesellschaft, die fleischigen Perücken hingegen versinnbildlichen das Leben als
registrierte, verkäufliche Ware.

In den Aufnahmen des deutschen Fotografen Olaf Martens (*1963 Halle) nimmt die Frau eine gänzlich andere Stellung ein. Verkörpert sie in Kissinas Fotografien ein weiblich, verträumtes Wesen so repräsentiert sie bei Martens ein dominantes, lustbetontes und selbstbewusstes Subjekt, das die fotografische Szene gänzlich beherrscht. Lasziv rekeln sich die Modelle in erotischen Dessous oder gänzlich nackt vor der Kamera. Mit seinen frühen Aufnahmen versuchte Martens die Grenzen der Aktfotografie seiner ostdeutschen Heimat spielerisch zu erweitern und sich der erotikfreien Aktfotografie zu entziehen, aber auch nach dem Niedergang der DDR blieb Martens seinem Genre treu und kreist mit seinen artifiziellen, farblich überspitzten Aufnahmen nach wie vor um die Frage „was Kunstfotografie sein durfte und was nicht“ (Wolfgang G. Schröter).

Neben den genannten Fotografen umfasst die Schenkung von Wolfgang Begatik noch Arbeiten von Alexander Timtschenko, Anna McCarthy, Cirenaica Moreira, Chat, Eva Leitolf, Robert Van der Hilst, Sands Murray-Wassink sowie Ursula Rogg. Ergänzend zu den Arbeiten der einzelnen Fotografen überließ Herr Begatik der Sammlung Fotografie eine Vielzahl von Ausstellungskatalogen und Fachliteratur, die in der umfangreichen Präsenzbibliothek der Sammlung Fotografie eingesehen werden können.

Beitragsbild:
Seiichi Furuya, Christine Furuya-Gössler,
1980
© Seiichi Furuya
Webseite des Münchner Stadtmuseum

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