Körperwelten – Zyklus des Lebens

KÖRPERWELTEN & Der Zyklus des Lebens, 10. April – 31. Mai und 12. Juni – 5. Oktober 2014 in der kleinen Olympiahalle München

Ein Besuch bei Körperwelten – Zyklus des Lebens ist eine kleine Zeitreise. Für mich sogar im doppelten Sinne. Zum einen orientiert sich die Ausstellung, wie der Name vermuten lässt, am menschlichen Leben, wie wir es kennen. Wir starten als Fötus und altern unser ganzes Leben lang, wobei unser Körper eigentlich permanenter Wandlung unterzogen. Zum anderen war ich vor langer Zeit (über 10 Jahre ist es her) schon einmal bei den Körperwelten, als diese in München gastierten.

Über das Projekt Körperwelten

Wem der Begriff nichts sagt, der findet hier eine kurze Beschreibung. Die Ausstellung besteht, darauf kommt man teilweise gar nicht, wenn man vor den Exponaten steht, aus echten, konservierten Körpern und Organen. Das verwendete Verfahren nennt sich Plastination und wurde 1977 von Dr. Gunther von Hagens erfunden, welcher auch der Schöpfer der Körperwelten ist. Informationen über das Verfahren findet ihr im vorherigen Satz hinter dem link. Beeindruckende Zahlen an den Körperwelten sind auf jeden Fall:
– Einen menschlichen Körper zu plastinieren erfordert ca. 1.500 Arbeitsstunden
– Das bisher größte Plastinat ist ein ganzer Elefant mit 6×3,5 Metern
– Die Körperwelten wurden bisher weltweit von über 40 Millionen Menschen besucht


Wer sich jetzt fragt, wer denn da plastiniert wird und woher die Körper kommen, dem sei zugesichert, nur freiwillige Körperspender werden so verewigt. Bitte nicht mit der Organspende verwechseln, Körperspender wird man, indem man sich explizit bei dem Projekt bewirbt. Im Januar 2014 haben sich beim Heidelberger Institut für Plastination insgesamt über 14.000 Spender zur Verfügung gestellt, die Arbeit wird also nicht so schnell ausgehen.

Meine Eindrücke

Wo soll ich anfangen…. Wie schon oben erwähnt braucht man meiner Meinung nach keine Angst haben, sich zu sehr zu gruseln. Wenn man sich nicht immer wieder in den Kopf ruft, dass es sich um Plastinate und keine künstlichen Modelle handelt, dann vergisst man das recht schnell. Modelle kompletter Körper stehen sowieso nicht im Vordergrund, sondern eher einzelne Organe, wie Lunge, Magen, Nieren oder Muskel- und Nerven-Gruppen. Und nein, es ist nicht blutig. Das schockierendste kommt wohl sowieso ganz zu Beginn. Das Leben beginnt nun mal als Fötus und so beginnt auch die Ausstellung nach einer Einführung in Textform mit Föten verschiedenen Alters und zwei Plazenta Modellen. Der Aufbau der Körperwelten Ausstellung ist übrigens sehr passend gemacht. Es ist weder ein langer Gang wie in einem Museum oder eine große Halle wie in einer Messe, sondern eine geschickte Weg-Führung so dass man nie all zu weit voraus sehen kann und nicht durch das kommende von dem abgelenkt wird, was man gerade betrachtet. Die Wände sind allesamt schwarz abgehängt und die Beleuchtung gedimmt. Dies wirkt sich auch auf das Verhalten der Besucher aus. Alle samt sind ruhig und andächtig, eher wie in einer Kirche. Es war sehr schön zu beobachten, dass die Räume mit der Zeit größer und offener werden und auch die Besucher von Modell zu Modell entspannter. Auch der Geräuschpegel steigt langsam an, was durchaus angenehm ist, weil man nicht mehr den Eindruck hat, andere zu stören, wenn man mal nicht nur flüstert.


Die Ausstellung ist eine Mischung aus Modellen, textlichen Informationen, die jedes einzelne erklären und ab und zu Videos. Vorbildlich finde ich, dass die Texte nicht sonderlich kompliziert geschrieben sind, sondern aussagekräftig und gespickt mit Informationen, dabei aber nicht abgehoben in der Sprache. Es wird auf breiter Basis erklärt, wie Nervenbahnen funktionieren, wo welche Knochen im Körper vorhanden sind und wie sich verschiedene Einflüsse wie die Ernährung oder das Rauchen auswirken. An sich ist das nichts, was man nicht auch in jedem Biologiebuch nachlesen kann, aber wer von uns macht das schon?

Wissenschaft vs. Kunst

Ich nehme die Diskussion rund um Körperwelten – Zyklus des Lebens diesmal nicht so prominent wahr, wie vor über 10 Jahren, als Dr. Hagens mit seinem Projekt München das erste mal besuchte. Damals hatte man den Eindruck, er wird von manchen Lagern wie ein real gewordener Dr. Frankenstein gesehen. Häufigstes Argument dieser Zeit war die Interpretation als geschmacklose Kunst ohne wissenschaftliche Funktion. Was soll man dazu sagen. Ich muss ehrlich gestehen, dass der Faktor Kunst an manchen Stellen wirklich dominiert. Besucher der kleinen Olympiahalle sehen bei der aktuellen Ausstellung unter anderem einen Poker-Tisch mit drei plastinierten Poker-Spielern. Im Hintergrund ein Video mit Ausschnitten aus James Bond – Casino Royal. Auch hier befinden sich natürlich Erklärungen, doch für mich ist es einfach Kunst. Nicht mehr und nicht weniger und das finde ich gut. Den kleinen Tarnversuch natürlich nicht. Wieso ich das gut finde? Ganz einfach: Wie oben schon geschrieben, es geht bei der Ausstellung nicht darum, Wissenschaftler weiter zu bilden. Die Informationen stehen in jedem Biologie-Buch, doch nimmt das von uns keiner in die Hand und so werden Neugierde und eben auch die Faszination dazu verwendet, der breiten Masse Informationen zu vermitteln. Es ist genau die Kombination, die bisher 40 Millionen Menschen dazu bewegt hat, sich die Körperwelten anzusehen und wenn jeder davon ein wenig gelernt hat, dann ist es das doch wert, oder? Jeder der Spender weiß worauf er sich einlässt.

Wenn ich sage, es handelt sich hier auch (nicht ausschließlich) um Kunst, so beziehe ich das natürlich auf die Ausstellung. Sicherlich ist die Methode der Plastination für Wissenschaftler sehr wertvoll, auch in der Forschung.

Keine Fotos von den Körperwelten?

Natürlich hätte ich euch hier gerne eine kleine Galerie eingebaut, um euch zu zeigen, worauf ihr gespannt sein könnt, doch leider habe ich das mit der Anmeldung falsch verstanden und habe vor Ort keine Fotoerlaubnis bekommen. Das Bildmaterial aus dem Pressebereich muss ich nach Ende der Ausstellung wieder entfernen und darauf habe ich keine Lust. Anfragen, ob ich noch mal rein darf, um zu fotografieren, oder ob sich das lösen lässt mit dem Entfernen der Bilder wurden nicht beantwortet, so muss ich euch leider vertrösten. Wer Bilder sehen will, bemüht die Google Bildersuche oder nutzt die Webseite.

Fazit

Ich würde sagen, die Ausstellung ist sehenswert. Passende Atmosphäre, tolle Plastinate, die wirklich mit Liebe zum Detail gemacht sind und dazu noch Informationen über den Körper und das Leben verständlich formuliert und aufbereitet für Jedermann. Der Eintritt kostet 19€ (Ermäßigungen natürlich möglich), was durchaus in Ordnung ist. Wir waren über zwei Stunden unterwegs in der Ausstellung.

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One Response

  1. Steffi Wahrum
    Steffi Wahrum at |

    Wirklich eine wirklich sehenswerte Ausstellung.
    Das einzige was mich etwas irritiert ist der Begriff „Kunst“. Kunst im Sinne von Fertigkeit und menschlicher Gestaltung (hier schon im doppelten Sinne) ja. Kunst als reine Provokation, Darstellung der Absurdität und zum reinen „Genuss“, eher nein.
    Für mich war die Ausstellung pure Faszination – insbesondere der 3D-Anblick des Nervensystems: gigantisch.
    Hier wird einem in Lebensgröße vor Augen geführt wie wir entstehen, aus was WIR bestehen und wie komplex wir sind. Aber all das nicht ausreicht, um den Menschen zu be“greifen“.
    Und ja, peinlich war die Darstellung des Pokertischs.
    Alles andere war ein gelungene Ausstellung mit der Darbietung von Wissenschaft UND hoher Kunst.

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